Page 2 - Ausschreibung GK ZH 2021
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Institut für systemische Interaktionstherapie und Beratung GmbH Oberdiessbach


               1. Ausgangslage

               In den letzten Jahren haben sich zunehmend familientherapeutische bzw. systemische
               Konzepte im Bereich der Jugendhilfe etabliert. Heute wird vermehrt versucht, mit den
               Eltern ressourcenorientiert zu arbeiten, die Hilfen zu entprofessionalisieren, Selbsthilfe-
               kräfte  zu  stärken  und  Selbsthilfekompetenzen  in  Sozialräumen  aufzubauen.  Dabei
               treten vielfältige Probleme auf – so scheint es schwer, die Eltern bzw. Herkunftssysteme
               entsprechend zu motivieren oder ihre erzieherischen Ressourcen nachhaltig zu stärken.
               Traditionelle sozialpädagogische oder therapeutische Konzepte führen oft nicht zu einer
               aktiven  Arbeit  der  Eltern  an  der  Lösung  ihrer  familiären  Probleme  oder  zu  den  ge-
               wünschten positiven Veränderungen.
               Aus dieser Situation entstanden verschiedene innovative Arbeitsansätze, die über Ver-
               änderungen  traditioneller  Arbeitsweisen  zu  wirklich  aktivierenden,  effektiven  und
               nachhaltigen Förderungs- und Hilfeprozessen führen.

               Das SIT-Modell
               Aus langjährigen Praxiserfahrungen in verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe (u.a. in
               der ambulanten und stationären Arbeit des Familienaktivierungszentrums „Triangel“ in
               Berlin) entstand das Modell der systemischen Interaktionstherapie und -beratung –
               kurz SIT.
               Das SIT-Modell bietet eine Basis für Haltung und Methodik von Fachkräften, die aktivie-
               rende Arbeit für Familien anbieten wollen. Es ermöglicht bei konsequenter Anwendung
               nicht  nur  eine  erfolgreiche  und  nachhaltige  Zusammenarbeit  mit  einzelnen  Familien.
               Durch die Einbeziehung von Klienten als Unterstützer für andere Klienten, werden auch
               soziale Netze aufgebaut, die Ressourcen und Selbsthilfekräfte in Sozialräumen dauer-
               haft stärken können.
               Das SIT-Modell basiert auf einer wertschätzenden allparteilichen Grundhaltung und ei-
               nem strukturierten methodischen Ansatz systemischen Arbeitens. Der SIT-Ansatz lässt
               sich in den unterschiedlichsten Problemlagen und Settings systemischer Beratung und
               Therapie anwenden. Insbesondere im Bereich der Jugendhilfe sowie in allen damit ver-
               bundenen  Systemebenen  familiärer  oder  gesellschaftlicher  Sozialisation  von  Kindern
               und Jugendlichen ermöglicht SIT den Aufbau einer konstruktiven Arbeitsbeziehung zu
               Familien und oft verblüffende positive Entwicklungen.
               SIT erklärt Auffälligkeiten und Probleme von Kindern bzw. Jugendlichen als Ausdruck
               von Rollenzuweisungen und Beziehungsmustern in dem System, in dem ein Kind bzw.
               Jugendlicher lebt. Eine besonders hohe Bedeutung bei der Entstehung und Aufrechter-
               haltung  von  Problemen  wird  dabei,  neben  den  Beziehungsmustern  in  den
               Herkunftsfamilien der Kinder, den vielfältigen Interaktionsmustern zwischen der Familie
               und  ihrem  Umfeld  beigemessen.  Weitere  wichtige  Inhalte  des  SIT-Modells  beziehen
               sich auf die Beziehungs- und Interaktionsmuster im professionellen Kontext. Dabei wird
               vor allem den Interaktionsmustern im sogenannten Hilfedreieck (Familie – zuweisende
               Behörde – Hilfeanbieter) eine hohe Bedeutung beigemessen.
               Mittels  einer  systemischen  Mikroanalyse  werden im  SIT-Modell die  problemerzeugen-
               den oder -stabilisierenden „Knotenpunkte“ im Beziehungsgefüge der Familie, zwischen
               Familie und Umfeld oder auch zwischen den verschiedenen Mitarbeitenden professio-
               neller  Systeme  herausgefiltert.  Anschliessend  werden  die  problemstabilisierenden






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